EADS und Airbus schließen Überprüfung des A380-Programms ab
Weitere erhebliche Verzögerungen bei A380-Auslieferungen
A380-Serienproduktion verursacht kumulierten EBIT*-Verlust von € 2,8 Mrd. bis 2010
Airbus startet Programm „Power8“, um den finanziellen Auswirkungen gegenzuwirken und den Entwicklungsprozess zu beschleunigen
Konzernweite Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen
A380-Zertifizierung planmäßig zum Jahresende erwartet
Amsterdam, 03
Oktober
2006
Nach einer detaillierten gemeinsamen Prüfung des Programms A380 durch die EADS und Airbus hat Airbus den Zeitplan für die Auslieferungsplanung der A380 in den Jahren 2007 bis 2010 korrigiert. Das erste Airbus A380 Serienflugzeug wird in der zweiten Jahreshälfte 2007 ausgeliefert. Im Jahr 2008 beabsichtigt Airbus 13 Flugzeuge auszuliefern. 2009 dürften dann 25 Airbus A380 die Endmontage verlassen, gefolgt von 45 Maschinen im Jahr 2010 – einschließlich der ersten Frachtflugzeuge im Jahr 2010. Im Vergleich zur Planung vom 13. Juni werden sich die Auslieferungen um durchschnittlich ein weiteres Jahr verzögern. Dies gab die EADS nach einem Treffen ihres Board of Directors am Dienstag bekannt und nannte Einzelheiten zu den finanziellen Auswirkungen.
Die Prüfung des A380-Programms hat ergeben, dass die Zertifizierung des Typs A380 bis Ende des Jahres erwartet werden kann. Die Testflüge verlaufen wie geplant, die A380 erreicht die Leistungsziele und übertrifft sie sogar teilweise. Die A380 wird ein sehr zuverlässiges und komfortables Flugzeug sein.
Vergleich zur ursprünglichen Planung bis Juni
Aufgrund des überarbeiteten A380-Auslieferungszeitplans wird das EBIT* um insgesamt € 4,8 Mrd. niedriger ausfallen, als ursprünglich für die Jahre 2006 bis 2010 geplant (bei einem Dollarkurs von € 1,00 = US$ 1,30):
Davon wird ein kumuliertes EBIT* von annähernd € 2 Mrd., das bislang für die Jahre 2006 bis 2010 erwartet wurde, wegen der auf spätere Jahre verschobenen Auslieferungstermine erst nach 2010 realisiert.
Zusätzlich werden Kostenüberschreitungen und Zahlungen für Lieferverspätungen zu Einmalaufwendungen führen, die sich in einer entsprechenden Verringerung des für die Jahre 2006 bis 2010 angesetzten Gesamt-EBIT* um € 2,8 Mrd. niederschlagen.
Schließlich werden Bestände sowie die Auswirkungen auf Zahlungen von A380-Kunden zu einer Zunahme des Netto-Umlaufvermögens (working capital) um rund € 1,5 Mrd. führen. Die EADS rechnet damit, dass die vorgenannten Faktoren dazu führen, dass sich der Free Cash Flow in der Summe um insgesamt € 6,3 Mrd. gegenüber den bisherigen Erwartungen für 2006 bis 2010 verringern wird.
Das Management erwartet im Hinblick auf die Gewinn- und Verlustrechnung bei der A380-Serienproduktion für die Jahre 2006 bis 2010 ein kumuliertes EBIT*-Defizit in diesem Programm von € 2,8 Mrd. Rund € 1,1 Mrd. hiervon werden 2006 erwartet, etwa € 0,7 Mrd. im Jahr 2007. Einen ersten positiven EBIT*-Beitrag dürfte das Programm A380 im Jahr 2010 liefern. Das EADS-Management rechnet ab dem Jahr 2010 mit erheblichen Beiträgen aus dem A380-Programm.
Im oben genannten EBIT*-Defizit für 2006 in diesem Programm sind Drohverlust-Rückstellungen für die A380 von rund € 0,6 Mrd. enthalten. Angesichts der finanziellen Belastungen durch die A380, zusätzlicher potenzieller Kosten für das Programm A350, für das die Entscheidung noch aussteht, sowie des Betrages und der zeitlichen Verteilung von Einmalaufwendungen für das Programm „Power8“ verlieren die zuvor formulieren EBIT*-Prognosen für 2006 ihre Gültigkeit. Bis auf weiteres macht die EADS keine aktualisierten Prognosen für 2006. Mögliche Auftragsstornierungen wegen des verschobenen Auslieferungszeitplans wurden in diesen finanziellen Abschätzungen noch nicht berücksichtigt.
Programm „Power8“ zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit
Um seine Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen und den finanziellen Auswirkungen der Verzögerungen entgegenzuwirken, bereitet Airbus den Start des Programms „Power8“ vor. Dessen Ziel sind nachhaltige Kosteneinsparungen in Höhe von jährlich mindestens € 2,0 Mrd. ab 2010. Darüber hinaus hat „Power8“ eine Beschleunigung der Entwicklungsprozesse sowie kumulierte Liquiditätseinsparungen in Höhe von rund € 5,0 Mrd. bis 2010 zum Ziel. Das Board of Directors unterstützt in vollem Umfang das Programm „Power8“, das Airbus CEO Christian Streiff vorgelegt hat.
Auch in anderen Bereichen des EADS-Konzerns werden Verbesserungs- und Kostensenkungsprogramme zur Umsetzung kommen. Darüber hinaus wird die EADS ihre konzernweiten Integrationsmaßnahmen fortsetzen, um Kosten zu senken sowie effizientere und effektivere Management-Strukturen zu schaffen.
Das Board of Directors hat beschlossen, eine unabhängige Prüfung möglicher individueller Pflichtverletzungen im Vorfeld der Verzögerungen im Programm A380 durchführen zu lassen. Diese Prüfung wird auch eine eingehende Untersuchung der potenziellen Verantwortung auf Management-Ebene umfassen. Das Unternehmen behält sich sämtliche Rechte vor.
Die EADS ist ein weltweit führendes Unternehmen der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen, mit einem Umsatz von € 34,2 Milliarden im Jahr 2005 und rund 113.000 Mitarbeitern. Zur EADS gehören der Flugzeughersteller Airbus, das weltweit größte Hubschrauber-Unternehmen Eurocopter und das Joint-Venture MBDA, der führende internationale Lenkflugkörperproduzent auf dem Weltmarkt. Die EADS ist der größte Partner im Eurofighter-Konsortium, Hauptauftragnehmer für die Trägerrakete Ariane, entwickelt das militärische Transportflugzeug A400M und einer der größten industrieller Partner für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo.
EBIT
Die EADS verwendet das EBIT vor Goodwill-Wertminderungen und außerordentlichen Posten als Schlüsselindikator für die wirtschaftliche Leistung. Der Terminus „außerordentliche Posten“ bezieht sich auf Sachverhalte, wie Aufwendungen aus Abschreibungen der aufgedeckten stillen Reserven aus der Gründung der EADS, dem Airbus-Unternehmenszusammenschluss, der Gründung der MBDA sowie in diesem Zusammenhang stehende Abschreibungen aufgrund von Werthaltigkeitstests.
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