Stand: 14 Juli 2006 Weiterempfehlen DruckenDrucken
 

15 Jahre ERS-1 - Umweltforschung mit EADS SPACE

  • Satellitenstart am 17.Juli 1991 markiert in Europa den Beginn der radargestützten Erdbeobachtung aus dem All
  • Satellitenstart am 17.Juli 1991 markiert in Europa den Beginn der radargestützten Erdbeobachtung aus dem All
  • SPACE-Ingenieure bereiten Start des Wettersatelliten Metop vor

Friedrichshafen, 14 Juli 2006

Gespannt schauen gegenwärtige alle Meteorologen, Klimaforscher und Wetterfrösche in Richtung Baikonur: Dort wird der unter der Leitung von Europas führendem Raumfahrtkonzern EADS SPACE für die europäische Weltraumorganisation ESA entwickelte und gebaute polar umlaufende Wettersatellit Metop auf seinen Start ins All vorbereitet. Der 17. Juli markiert nicht nur das aktuelle Startdatum für den 4,1 Tonnen schweren Himmelspäher, sondern auch ein historisches Datum: Mit dem Start des Satelliten ERS-1 am 17. Juli 1991 startete Europa seine Erfolgsgeschichte der radargestützten Erd- und Umweltbeobachtung.

Vor 15 Jahren, am 17. Juli 1991, startete Europas erster Radar-Satellit zur wissenschaftlichen Erkundung der Erde. Der ERS-1 (European Remote-Sensing Satellite) der europäischen Weltraumorganisation ESA war auf eine Lebensdauer von drei Jahren ausgelegt, arbeitete schließlich aber dreimal so lange: Erst im März 2001 wurde der Satellit wegen eines technischen Defekts abgeschaltet. ERS-1 gilt als Wegbereiter der Umweltforschung aus dem Weltraum. Sein Nachfolger, der 1995 gestartete ERS-2, setzt diese Arbeit bis heute fort. EADS SPACE war Hauptauftragnehmer für beide Missionen und lieferte sowohl die Plattform als auch einige Hauptinstrumente. "Dieser Auftrag bedeutete für uns den Einstieg in die Weltraum-Radartechnik", erinnert sich Fred Tanner, der bei ERS-1 für die Software-Entwicklung zuständig war und heute in dem Unternehmen alle Projekte mit der ESA am Standort Friedrichshafen koordiniert. Aufbauend auf dieser Erfahrung entstand unter der Leitung von EADS SPACE eine Reihe weiterer Umwelt-, Klima- und Wettersatelliten, wie Envisat, das Flaggschiff der Klimaforschung, oder Metop, Europas erster polarumlaufender Wettersatellit. Damit präsentiert sich Europas führendes Weltraumunternehmen als bedeutendster Industriepartner für die Europäische Weltraumorganisation, ESA.

ERS-1 - eineinhalb Millionen Bilder von der Erde

ERS-1 war von Beginn an eine Erfolgsgeschichte. Bis zu seinem Abschalten hatte er 45 000 Erdumrundungen hinter sich und 1,5 Millionen Bilder zur Erde gefunkt. Die Nachfrage nach den Radar-Bildern wuchs jährlich um bis zu 30 Prozent, und insgesamt hat das ESA-Datenzentrum rund 15 000 Bestellungen aus aller Welt erhalten. Die Nutzergemeinde war dementsprechend vielfältig. Sie reichte von Forschergruppen über kleine High-Tech-Firmen bis zu großen Unternehmen und öffentlichen Behörden, wie Wetterämtern.

Herz des ERS-1, der die Erde in einer Höhe von 785 Kilometern auf einer polaren Bahn umkreist, war ein Radar, das bei einer Wellenlänge von 5,7 Zentimetern (entsprechend einer Frequenz von 5,3 GHz im so genannten C-Band) arbeitete. Bei jedem Umlauf tastete der Strahl einen 4000 Kilometer langen und 100 Kilometer breiten Streifen auf der Erdoberfläche ab. Daraus ließen sich Bilder mit einer Auflösung von 30 Metern erstellen.

Den Zuschlag als Hauptauftragnehmer und für den Bau der beiden Schlüsselinstrumente, nämlich des Hochleistungsendverstärkers und der Antenne, erhielt EADS SPACE in Friedrichshafen. Gleichzeitig war EADS SPACE in Großbritannien mit dem Bau des Synthetic Apertur Radars (SAR) beauftragt, aus Frankreich kam die Plattform, die ebenfalls bei den SPOT-Satelliten und später in abgewandelter Form auch bei Envisat eingesetzt wurde. Die Antenne für das Windscatterometer (WSA) und das Radar Altimeter stammen von EADS SPACE aus Madrid.

Ebenso vielfältig wie die Nutzergemeinde waren auch die Anwendungsbereiche. Nur drei Schlagzeilen von vielen aus den 1990er-Jahren verdeutlichen dies: Auf den Spuren von El Niño - ERS-1 misst die Temperatur der Meeresströmung. Mit Satellitenaugen gegen Umweltsünder - ERS-1 entdeckt Schiffe, die auf dem Meer Öl ablassen. Mit Radar-Augen durch Eis geblickt - ERS-1 erkundet das Meeresbodenrelief unter der arktischen Eisdecke. Darüber hinaus konnten Richtung und Geschwindigkeit des Windes über den Meeren gemessen und so genannte Monsterwellen gesichtet werden.

Das Tandem ERS-1 und 2

Mit dem Start von ERS-2 eröffneten sich noch mehr Einsatzmöglichkeiten. Zum einen verfügte dieser Satellit über das Ozonmessgerät GOME (Global Ozone Monitoring Experiment). Es verfolgt regelmäßig den Ozongehalt in der Stratosphäre und insbesondere die Veränderungen des Ozonlochs über dem Südpol.

Zum anderen waren nun für ein paar Jahre beide Radar-Satelliten gleichzeitig einsetzbar. Bei dieser so genannten Tandem-Mission von ERS-1 und 2 konnte man die neue Technik der Radar-Interferometrie austesten. Hierbei nimmt man zu unterschiedlichen Zeiten mit den beiden Satelliten dasselbe Gebiet zweimal oder mehrmals auf. Die Überlagerung der Bilder ergibt dann ein Interferogramm. Es eignet sich, um digitale Geländemodelle mit einer Höhenauflösung von wenigen Metern zu erstellen. Vor allem aber ist es möglich, Veränderungen, die sich zwischen den Aufnahmen auf der Oberfläche ereignet haben, mit einer Genauigkeit im Zentimeterbereich zu registrieren.

Hiermit war es beispielsweise erstmals möglich, von schwer zugänglichen Gletschern das Fließverhalten zu ermitteln. Außerdem gelang es, durch Untertagebau verursachte Erdabsenkungen zu messen. Auftraggeber waren Bergbaufirmen. Sie wollten aus den Messdaten lernen, wie man Stollen vorantreiben kann, ohne Bodenverschiebungen und Gebäudeschäden zu erzeugen. Geophysiker konnten mit dem Tandem exakt messen, wie sich bei Erdbeben in Landers, Kalifornien, oder in Griechenland und der Türkei der Boden verschoben hatte: Messdaten von unschätzbarem Wert, um dem bislang ungelösten Problem der Erdbebenvorhersage näher zu kommen.

EADS SPACE ist der führende Satellitenspezialist in Europa. Die Aktivitäten reichen von kompletten Systemen für zivile und militärische Telekommunikations- und Erdbeobachtungssatelliten über wissenschaftliche Raumfahrtprogramme bis hin zur Satellitennavigation sowie die dazugehörige Avionik und Ausrüstung. Im Jahr 2005 erreichte EADS SPACE einen Umsatz von 2,7 Milliarden EURO und beschäftigte rund 11.000 Mitarbeiter in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien.

Der EADS-Konzern ist ein global führender Anbieter in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Im Jahr 2005 lag der Umsatz bei rund 34,2 Milliarden EURO, die Zahl der Mitarbeiter bei mehr als 113.000.

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