Stand: 11  Oktober  2006 Weiterempfehlen DruckenDrucken
 

Wettersatellit Metop ist startklar

Erster europäischer Wettersatellit in erdnaher Umlaufbahn

Baikonur, 11  Oktober  2006

Europas erster polarumlaufender Wettersatellit Metop soll am 17. Oktober, 18:28 Uhr (MEZ), vom Weltraumbahnhof Baikonur mit einer Sojus/ST-Trägerrakete von Starsem ins Weltall starten. Astriums Geschäftsbereich Satelliten ist Hauptauftragnehmer für Metop und außerdem für drei der elf Instrumente an Bord des Satelliten verantwortlich. Das meteorologische "Herz" des Satelliten, das so genannte Nutzlastmodul, wurde am Astrium-Standort Friedrichshafen entwickelt und gebaut.

Die Startvobereitungen der Raketen- und Satellitenteams sind wieder aufgenommen worden; der Satellit ist wieder in die Raketenspitze integriert. Seit August arbeitet ein dreißig Mann starkes Launchteam der Astrium auf einen erfolgreichen Start hin.

Metop ist der erste von drei Satelliten, die Astrium für die europäische Weltraumorganisation ESA und die europäische Wetterorganisation Eumetsat (Darmstadt) entwickelt und gebaut hat. Als Partner im Metop-Programm steuern die französische Raumfahrtagentur CNES und die amerikanische Wetterorganisation NOAA Messinstrumente zur Mission bei. Metop ist der erste meteorologische Satellit Europas, der aus einer niedrigen Umlaufbahn heraus operiert. Er stellt den europäischen Beitrag für eine neue Zusammenarbeit mit den USA bei Klimabeobachtung und verbesserter Wettervorhersage dar.

Die beiden anderen Metop-Satelliten sollen in Abständen von etwa 4,5 Jahren ins Weltall folgen, um einen operationellen Wetterdienst über einen Zeitraum von mindestens 14 Jahren sicherzustellen. Auch diese beiden Metops sind, bis auf den Einbau einiger weniger Instrumente, die noch von Kunden beigestellt werden müssen, fertig. Sie bleiben bis kurz vor ihren jeweiligen Starts eingelagert und werden erst dann komplettiert.

Die Satelliten des Metop-Systems werden bei Tag und Nacht wertvolle Informationen über Atmosphäre, Landmassen und Meeresoberflächen liefern. Hauptaufgabe der Satelliten ist die Ermittlung von Temperatur- und Feuchtigkeitsprofilen der Atmosphäre. Darüber hinaus wird Metop Wolken beobachten, die Winde an den Meeresoberflächen messen und den Ozongehalt der Atmosphäre überwachen. Außerdem wird Metop Daten von Mess-Stationen am Boden oder auf den Meeren sammeln und Rettungssignale übermitteln können.

Astriums Geschäftsbereich Satelliten ist Hauptauftragnehmer für den Bau der Metop-Satelliten und führt ein Team von mehr als 50 Unterauftragnehmern. Neben der Gesamtverantwortung zeichnet der Standort Toulouse für das Service-Modul verantwortlich. Dieses Modul beherbergt die Stromversorgung, Systeme zur Lage- und Temperaturregelung und für die Steuerung der Kommunikation mit der Bodenstation. Es ist eine Weiterentwicklung der Plattformen von SPOT, ERS, Envisat und Helios.

Astrium in Deutschland (Friedrichshafen) ist verantwortlich für Entwicklung und Bau des Nutzlastmoduls. Dieses beherbergt die elf Messinstrumente, die Systeme für die Kontrolle der Instrumente, für die Formatierung, Verschlüsselung und Speicherung der Messdaten sowie für die Übertragung der Daten zum Boden. Darüber hinaus ist der Standort Friedrichshafen für zwei der Messinstrumente (Ascat und Gras) verantwortlich.

Das Advanced Scatterometer (Ascat) ist ein Radargerät, mit dem Windgeschwindigkeiten und –richtungen über dem offenen Meer gemessen werden. Ascat wird auch helfen, die Verteilung von Schnee- und Eismassen an Land und an den Meeresoberflächen zu überwachen. Ascat kann seine Messungen auch bei Dunkelheit und durch Wolken vornehmen. Diese Eigenschaft kommt besonders dem Einsatz über Polarregionen zugute. Ascat wird mit seinen drei Antennenpaaren zwei je 500 Kilometer breite Korridore abtasten und kann dadurch innerhalb von 2-3 Tagen Daten von jedem Punkt der Erdoberfläche liefern.

Der unter Astrium Verantwortung - von Saab Ericsson gebaute - GNSS Reciever for Atmospheric Sounding (Gras), ist ein Empfänger für Signale des US-amerikanischen Global Positioning Systems (GPS). Gras empfängt die GPS-Signale, die von der Erdatmosphäre moduliert werden. Aus diesen Signalen können vertikale Temperaturprofile ebenso gewonnen werden wie vertikale Wasserdampfprofile in den unteren Schichten der Troposphäre. Die Daten geben auch Aufschluss über den Luftdruck im oberen Teil der Troposphäre und im unteren Teil der Stratosphäre. Außerdem liefert Gras Echtzeit-Navigationsdaten an Bord von Metop, die helfen, die genaue Position des Satelliten zu bestimmen.

Der Microwave Humidity Sounder (MHS) ist ein Mikrowellensensor zur Messung von atmosphärischen Feuchtigkeitsprofilen, Wolken- und Niederschlagsparametern und wurde von der Astrium in Großbritannien (Portsmouth) für die Eumetsat gebaut. Er misst vor allem die Luftfeuchtigkeit, registriert aber auch Wasser, im flüssigen Aggregatzustand, das in Wolken enthalten ist, sowie Niederschläge. Seit Mai 2005 ist bereits ein MHS erfolgreich an Bord des amerikanischen Wettersatelliten NOAA-N im Einsatz.

Astrium, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der EADS, ist das führende Unternehmen für zivile und militärische Raumfahrtsysteme in Europa. Im Jahr 2005 erreichte Astrium einen Umsatz von 2,7 Milliarden EURO und beschäftigte rund 11.000 Mitarbeiter in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien. Astrium hat zwei Geschäftsbereiche: "Space Transportation" für Trägerraketen und orbitale Infrastruktur und "Satelliten" für Satelliten und Bodeninfrastruktur. Die Astrium Tochtergesellschaft "Astrium Services" entwickelt und liefert Satellitendienstleistungen.

Der EADS-Konzern ist ein global führender Anbieter in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Im Jahr 2005 lag der Umsatz bei rund 34,2 Milliarden EURO, die Zahl der Mitarbeiter bei mehr als 113.000.

Technische Daten

Missionsdauer: 5 Jahre
Umlaufbahn: polar umlaufend, sonnensynchron (98,7° Inklination), 800 bis 850 km Höhe.
Gewicht: 4085 kg
Maße: 6,3 m x 2,5 m 2,5 m (Startkonfiguration)
17,6 m x 6,6 m x 5,0 m (in Orbit)
Leistung: 1813 W
Lageregelung: 3-Achsen-stabilisiert
Kosten: 2,4 Mrd. €, (3 Satelliten, Bodensegment, Starts und Betrieb)
davon 1,85 Mrd. € Eumetsat finanziert
550 Mio. € ESA finanziert

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