Das Europäische Satellitennavigationssystem Galileo* wird Wirklichkeit: Der Navigationssatellit Giove-B hat die uneingeschränkte Abnahme für den Start erhalten. Die Sojus Trägerrakete mit dem Satelliten an Bord befindet sich bereits in ihrer endgültigen Startposition auf dem Weltraumbahnhof Baikonur. Giove-B soll am 27. April 2008 um 00:16 Uhr (MEZ) starten und die für Galileo* reservierte Umlaufbahn in über 23.000 km Höhe einnehmen. Der von Astrium entwickelte und gefertigte Satellit bringt erstmals die Schlüsseltechnologien von Galileo* ins All und ist wegweisend für das Gesamtsystem.
Zuvor war Giove-B im Weltraumforschungs- und Technologiezentrum ESTEC der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA im niederländischen Noordwijk abschließend getestet worden. Astrium als Hauptauftragnehmer trug die Verantwortung für seinen Bau und stellte den Navigationssatelliten gemäß der Kundenplanung termingerecht bereit.
Dr. Oliver Juckenhöfel, Leiter Zukunftsprojekte Navigation der Astrium GmbH, skizziert die Stationen des Satelliten: „Giove-B hat seinen Transport nach Baikonur gut überstanden. Dass nun auch alle Systeme genau wie erwartet arbeiten, stimmt uns sehr zuversichtlich. Die erfolgreich hergestellte Kommunikation mit dem Missions-Kontrollzentrum bei Rom war ein weiterer Meilenstein.
Unser Team prüft jeden einzelnen Schritt vor, während und nach dem Start, um Giove-B auf eine sichere Reise in seine Umlaufbahn zu schicken. Dort wird der weltweit wohl fortschrittlichste Navigationssatellit zeigen, welche Spitzenleistungen europäische Technologie im Weltraum erbringt“, so der Verantwortliche Juckenhöfel.
Albrecht Woelker, Giove-B Projektleiter der Astrium GmbH, zu den letzten Startvorbereitungen:
„Wir haben ganze Arbeit geleistet: Giove-B hat seine umfassenden Testreihen erfolgreich durchlaufen und ist nach der Montage auf die Fregat Oberstufe der Sojus Rakete nun genau nach Zeitplan startbereit.
Unsere Astrium Teams im Kosmodrom von Baikonur und im Bodenkontrollzentrum in Fucino bei Rom überwachen in enger Abstimmung mit der ESA und den Verantwortlichen für die Rakete die letzten Startvorbereitungen und fahren die „Generalprobe“ für den Countdown. Die Inbetriebnahme von Giove-B wird das Galileo* Programm einen entscheidenden Schritt voranbringen.“
Astrium ist als Hauptauftragnehmer von Giove-B verantwortlich für Entwicklung, Bau und Lieferung des Satelliten, seiner Nutzlast und des Boden-Kontrollsegmentes. Der deutsche Astrium Standort Ottobrunn stellt mit dem Avionik Subsystem mit zentralem Bordrechner, dem Einbau der Photovoltaik für den Solargenerator sowie der Beteiligung an den Rubidium Uhren und dem Signalgenerator einen weiten Querschnitt aus seiner Produktpalette zur Verfügung. Astrium in Großbritannien entwickelte und baute die Nutzlast, integrierte darin auch die neuartige Passive Wasserstoff-Maser Atomuhr (Space Passive Hydrogen Maser, kurz S-PHM) und testete diese. Zugleich war der Standort in Portsmouth als Hauptauftragnehmer verantwortlich für die Entwicklung, Einrichtung und die Erprobung sowohl des Bodenkontrollsystems im italienischen Fucino als auch der Station zum sogenannten „In Orbit Test“ (IOT) im belgischen Redu einschließlich der Antenne. Vom spanischen Unternehmen EADS Casa Espazio in Madrid stammen die Struktur und das Thermal-Subsystem für die Nutzlast ebenso wie die L-Band Navigationsantenne, der Nutzlast-Adapter und das Separationssystem. Der französische Astrium Standort Les Mureaux stellte die Panele für den Solargenerator bereit. Die Spezialisten von Astrium in Lampoldshausen fertigten das Antriebs-Subsystem und führten die Betankung des Satelliten mit dem Treibstoff Hydrazin in Baikonur durch.
Mit Giove-B realisierte Astrium den ersten repräsentativen Galileo*-Satelliten. Mit ihm hat die Passive Wasserstoff-Maser Technologie in der Atomuhr ihre Weltpremiere unter Realbedingungen im All. Sie ist weitaus präziser und robuster als die bei den bisherigen Navigationssystemen verwendete Rubidium Technologie und wird deswegen bei Galileo* zusätzlich zum Standard gehören. Der Signalgenerator von Giove-B, das Herzstück der Navigationsnutzlast, wird die erst seit kurzem verbindlich für das Gesamtsystem festgesetzten Signale aussenden.
Giove-B dient als Referenz und ist das Bindeglied zur „In-Orbit Validation“ (IOV Phase), bei der Astrium als Hauptauftragnehmer bereits vier weitere Satelliten baut. Die IOV Phase ist ein entscheidender Meilenstein zum Aufbau des Systems, das insgesamt 30 Navigationssatelliten umfassen und bis 2013 voll einsatzbereit sein soll.
Astrium bietet alle Technologien und Dienstleistungen zum Aufbau des Europäischen Satellitennavigationssystems. Das Unternehmen hat eine tragfähige ganzheitliche Systemarchitektur maßgeblich mit entwickelt, das Raumsegment wie die Einrichtungen zur Bodenkontrolle konzipiert und wird das Entwicklungsprogramm zum erfolgreichen Abschluss bringen. Aufgrund der umfassenden Expertise hat sich Astrium bei allen relevanten Systemstudien durchgesetzt.
Astrium, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der EADS, ist spezialisiert auf zivile und militärische Raumfahrtsysteme. Im Jahr 2007 erreichte Astrium einen Umsatz von 3,5 Milliarden € und beschäftigte rund 12.000 Mitarbeiter in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden. Das Kerngeschäft gliedert sich in drei Bereiche: Astrium Space Transportation für Trägerraketen und Weltraum-Infrastrukturen, Astrium Satellites für Satelliten und Bodensegmente sowie die 100-prozentige Tochter Astrium Services für die Entwicklung und Lieferung satellitenbasierter Dienstleistungen.
EADS ist ein global führender Anbieter in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Im Jahr 2007 lag der Umsatz bei rund 39,1 Milliarden €, die Zahl der Mitarbeiter bei mehr als 116.000.
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Das Europäische Satellitennavigationssystem Galileo