Stand: 27 Mai 2008 Weiterempfehlen DruckenDrucken
 

Astrium erhält Satellitenauftrag über 263 Millionen Euro

  • Vertrag auf der internationalen Luftfahrtschau ILA unterschrieben
  • Mit EarthCARE startet ESA sechstes "Living Planet"- Projekt
  • Umweltsatellit hat Wolken, Aerosole und Strahlung im Blick

Berlin/Friedrichshafen, 27 Mai 2008

Europas führender Raumfahrtkonzern Astrium ist am Eröffnungstag der Internationalen Luft- und Raumfahrtmesse ILA in Berlin von der Europäischen Weltraumorganisation ESA mit Entwicklung und Bau des Erdbeobachtungssatelliten EarthCARE beauftragt worden. In Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel, ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain und Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) unterschrieben Dr. Volker Liebig, Direktor für Erdbeobachtung der ESA, Evert Dudok, CEO Astrium Satellites und Uwe Minne, Direktor für Erdbeobachtung und Wissenschaft der Astrium GmbH (Friedrichshafen) den industriellen Hauptvertrag für den Umwelt- und Klimasatelliten EarthCARE. Der Vertragswert beläuft sich auf 263 Millionen Euro

Im Visier von EarthCARE (Earth Clouds, Aerosols and Radiation Explorer) stehen Wolken, Kleinstpartikel in der Atmosphäre - Aerosole - sowie deren Einfluss auf die atmosphärische Strahlung. EarthCARE wird unter anderem vertikale Profile von natürlichen und anthropogenen Aerosolen erstellen, wird die Verteilung von Wasser und Eis und deren Transport in Wolken erfassen sowie die Zusammenhänge von Wolken und Niederschlägen und deren Auswirkungen auf die Strahlungsbilanz untersuchen. Durch die Kombination erfasster Aerosole und "Wolkenbestandteile" lassen sich Profile über Erwärmung / Abkühlung durch Wolken ableiten.

"Welche Rolle Aerosole bei der Wolkenbildung spielen und wie ihre Auswirkung auf die Strahlungsbilanz der Erde ist, das ist wissenschaftlich noch nicht komplett verstanden. Dieses ist aber wichtig für die genaue Erstellung von Klima- und Wettermodellen. Darum wurde die EarthCARE-Mission ausgewählt", so ESA-Direktor Volker Liebig.

EarthCARE wird zum besseren Verständnis unseres Klimas beitragen und wertvolle Daten für die Rechenmodelle von Klimaforschern und Meteorologen liefern. Der rund 1,7 Tonnen schwere Satellit soll im September 2013 ins All starten. Drei Jahre lang soll EarthCARE seine Messungen von einer polaren Umlaufbahn (97° Inklination) in rund 400 Kilometern Höhe vornehmen.

"Mit einem innovativen und zukunftsträchtigen Produktspektrum leistet Astrium ihren Beitrag zu einem besseren Verständnis und zu einem sorgfältigeren Umgang mit dem empfindlichen Ökosystem Erde", so Evert Dudok, CEO Astrium Satellites vor Journalisten in Berlin. "Erfahrung und Know-how aus Projekten wie EarthCARE oder den kürzlich erteilten Aufträgen für die Sentinel-Satellitenfamilie oder den polarumlaufenden Wettersatelliten Metop sind für uns eine hervorragende Basis und Referenz für kommende Aufgaben, wie zum Beispiel die Meteosat-Satelliten der dritten Generation."

Astrium (Friedrichshafen) übernimmt für EarthCARE die industrielle Führung sowie die Integrations- und Testaufgaben. Der Satellit ist mit vier Instrumenten bestückt, zwei passiven und zwei aktiven Sensoren, die ein einzigartiges Datenpaket mit nur einer Satellitenmission ermöglichen werden. Astrium (Toulouse, Frankreich) liefert das aktive Laserinstrument ATLID, während Plattform (Astrium), Multispektral-Imager MSI (SSTL) und Breitband-Radiometer BBR (SEA) in Großbritannien gefertigt werden. Das vierte Instrument ist das Wolkenradar CPR, das von der japanischen Raumfahrtagentur JAXA beigestellt wird.

Astrium und die Earth Explorer

EarthCARE ist die sechste Earth-Explorer-Mission der ESA im Rahmen ihres Erderkundungsprogramms Living Planet. Sie wird gemeinsam mit der japanischen Raumfahrtagentur JAXA realisiert. Astrium (Friedrichshafen) ist der industrielle Hauptauftragnehmer.

Astrium ist auch an den anderen zurzeit im Bau befindlichen Satelliten der Earth Explorer Missionen entscheidend beteiligt. So hat Astrium (Friedrichshafen) die Führung beim Eissatelliten Cryosat-2 und der aus drei Satelliten bestehenden    Mission Swarm zur Untersuchung des Erdmagnetfelds und liefert die Plattform für den Schwerefeld-Surfer Goce. Astrium (UK) ist Hauptauftragnehmer für die Windmission ADM-Aeolus für welche Astrium (F) das Instrument Aladin entwickelt. Astrium Spanien entwickelt und baut die Nutzlast Miras der SMOS-Mission zur Erfassung von Bodenfeuchtigkeiten und Salzgehalten der Meere.

Über Astrium:

Astrium, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der EADS, ist spezialisiert auf zivile und militärische Raumfahrtsysteme. Im Jahr 2007 erreichte Astrium einen Umsatz von 3,5 Milliarden € und beschäftigte rund 12.000 Mitarbeiter in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden. Das Kerngeschäft gliedert sich in drei Bereiche: Astrium Space Transportation für Trägerraketen und Weltraum-Infrastrukturen, Astrium Satellites für Satelliten und Bodensegmente sowie die 100-prozentige Tochter Astrium Services für die Entwicklung und Lieferung satellitenbasierter Dienstleistungen.

EADS ist ein global führender Anbieter in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Im Jahr 2007 lag der Umsatz bei rund 39,1 Milliarden €, die Zahl der Mitarbeiter bei mehr als 116.000.

Medienkontakte:  

Astrium GER Mathias Pikelj Cellphone: +49 (0) 162 29 49 666
www.astrium.eads.net

EarthCARE auf einen Blick

Mission:

Lebensdauer im Orbit 3 Jahre, (optionale Verlängerung um 1 Jahr)
Orbit: polar (97°), sonnensynchron DN

400 km Höhe
Wiederholrate 25 Tage
Geplanter Start: September 2013

Satellit:

Satellitentyp: 3-Achsen-stabilisiert
Startgewicht:               1,7 Tonnen
Solargenerator: single wing mit 5 Panelen, 17 m², 2500 W (EOL), GaAs triple-junction cells
Batterie:                           Li-ion 180 Ah

Instruments:

ATLID - Atmosheric Lidar für vertikale Profile von Aerosolen und dünnen Wolken
MSI - Multispektral Imager für horizontale Strukturen von Wolken und Aerosolen,
BBR -      Breitband Radiometer zur Erfassung der Strahlung an der oberen Atmosphäre
CPR - Cloud Profiling Radar für vertikale Profile von Wasser und Eis in den Wolken